Der Hexenberg von Kakerbeck.

Von Dietrich Alsdorf

Sie ist zurück am Hexenberg, die sagenumwobene Kakerbecker Hexe! Buckelig, mit Hakennase und schwarzen Raben auf dem Arm überrascht ihr Anblick in Form einer bunten Beton-Figur die Autofahrer auf der Landstraße von Hollenbeck nach Oersdorf. Erst im Jahr 2007 von der Dorfgemeinschaft aufgestellt, hat sich die fast lebensgroße Figur schon zum Anziehungspunkt für Radtouristen entwickelt.

Was hat es mit dem Hexenberg auf sich, von dem weit und breit nichts zu sehen ist, die Fantasie der Menschen aber immer noch beflügelt?
Im Dorf überliefert ist, dass es am Hexenberg früher gespukt haben soll. Das war zu einer Zeit, als die Gegend dort noch mit Wald bestanden war.
Der Hexenberg selbst war ein mächtiger Grabhügel aus urgeschichtlicher Zeit, 22 Meter im Durchmesser und drei Meter hoch.
Ab 1896 ging es sowohl dem Wald wie auch dem Erdhügel an den Kragen. 700 Fuder Sand soll der Hexenberg bei seinem Abtrag ergeben haben. Im Innern des Hügels wurde ein Bronzeschwert gefunden, dass später verloren ging.
Die genaue Lage des sagenumwobenen Berges hat der Ahlerstedter Lehrer und spätere Archäologe Willi Wegewitz überliefert. Er lag auf der anderen Straßenseite, etwa 50 Meter von dem heutigen Denkmal entfernt.
Welches Ereignis dem Hügel den Namen liegt, bleibt rätselhaft. Trieb rund um den Hexenberg früher tatsächliche eine Hexe ihr Unwesen oder geschah dort ähnliches, wie es eine Sage aus dem benachbarten Bargstedt erzählt?
Dort soll auf dem „Hoppenberg“ eine ganze Familie, der angeblichen Hexerei überführt, bei lebendigem Leibe verbrannt worden sein.
Unausrottbar ist das Gerücht, dass es auch beim Kakerbecker Hexenberg eine Verbrennung gegeben hat. Denn seit alter Zeit gibt es dort einen verdächtigen schwarzen Fleck im Acker, der nicht verblassen will und Raum gibt für entsprechende Spekulationen.
Schon Willi Wegewitz notierte vor 80 Jahren: „Etwa 30 Meter östlich vom Hexenberg befindet sich ein runder Fleck mit kohliger Erde. Überall sind noch große Holzkohlestückchen zu finden.“
Ein Hinweis auf den Scheiterhaufen? Immerhin muss dort ein großes Feuer gebrannt haben, dessen Asche die Oberfläche nachhaltig durchsetzte. Bis Heute.
Schaut man an dem Standbild der Hexe vorbei auf den Acker auf der anderen Straßenseite, erkennt man, sofern das Feld noch brach liegt, sehr deutlich einen schwarzen runden Fleck mit einem Durchmesser von 15 Metern.
Hexenverfolgungen hat es im Mittelalter nicht nur in den Städten gegeben, sondern auch in den Dörfern der Region. Nur selten haben sich Nachrichten jenes Wahns erhalten, der nach durch Folter erzwungenen „Geständnissen“ zu grausamsten Hinrichtungen führte.
So wurde zum Beispiel im Jahre 1603 in Stade Gretke Struckes, eine „alte Zauberin, mehr als 80 Jahre alt“, wie es wörtlich heißt, „welche viel Böses getan, sich aber christlich bekehret“, bei lebendigem Leibe begraben.
Ähnlich erging es 1608 einer Mette Corleiß aus Mittelnkirchen.
Aufgrund des Befundes auf dem Acker in Kakerbeck könnte es sich durchaus um einen Verbrennungsplatz handeln.
Denn um die völlige Vernichtung des als Hexe gebrandmarkten Menschen zu erreichen, musste ein sehr hoher Holzstapel errichtet und angezündet werden. In diesen lodernden Holzhaufen wurde dann die auf einer Leiter gebundene Person geworfen. Dann gab es die bekannte Variante mit einem Baumstamm in der Mitte, an der die „Hexe“ angekettet wurde.
Welche Variante möglicherweise in Kakerbeck zur Anwendung kam, oder ob die Sage überhaupt einen wahren Kern hat, bedarf künftiger Untersuchung.

Skizze von Hexenberg und der Brandstelle aus dem Jahre 1927. Das weiße Kreuz markiert den Standort der Hexenfigur. Foto: D. Alsdorf


Ein Holzschild mit schwarzer Katze markiert heute den „Hexenplatz“.
Foto: D. Alsdorf